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Besuch aus Brasilien

 

Westfälische Rundschau 20.10.2011

Aloysiusschule            Besuch aus einer anderen Welt

Holzwickede, 20.10.2011, Peter Gräber

Pfarrer Bernhard Middelanis, Schwester Marie Henriqueta Ferreira Cavalcante (li.) und Orlanda Rodigues Alves bei ihrem Besuch in der Aloysiusschule.                                                                                                                                               Foto: Henryk Brock

Holzwickede. Schon der Name der beiden Frauen aus Brasilien, Schwester Marie Henriqueta Ferreira Cavalcante und Orlanda Rodigues Alves, dürfte die Kinder der Aloysiusschule gestern mächtig beeindruckt haben. Gemeinsam mit Pfarrer Bernhard Middelanis, der sie auf seiner jüngsten Brasilienreise kennengelernt hat, berichteten die beiden Brasilianerinnen über Land und Leben in ihrer Heimat.

Auch die Josef-Reding- und Paul-Gerhardt-Schule haben sie schon besucht. Auch mit dem Aktionskreis Pater Beda werden sie noch unterwegs sein, bevor sie dann am 3. November wieder in ihre Heimat zurückfliegen. Doch um es klar zu sagen: Was die beiden Frauen den Kindern aus ihrer Heimat erzählten, war rundweg geschönt. Denn was sie nach ihrem Schulbesuch im Pressegespräch berichten, ist nicht für Minderjähriger bestimmt:

Sexueller Missbrauch

Denn Schwester Marie Henriqueta und Orlanda Rodigues berichten von Eltern, die ihre Kinder an kriminelle Banden verkaufen, von Kindern und Frauen, die verschleppt, sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen werden, von Großgrundbesitzern, die Kleinbauern wie Vieh abschlachten lassen und einer Polizei und Regierung, die die nicht eingreifen, weil sie korrupt und von den organisierten Verbrecherbanden bestochen sind. „Niemand tut etwas gegen diese Zustände“, berichten die Frauen. „Allein die Kirche kümmert sich um die Menschen.“

Als Konsequenz daraus haben die Ordensschwester und ihre Mitstreiterin, die für verschiedene Bischöfe in Brasilien als Sekretärin tätig ist, auch schon persönliche Morddrohungen erhalten. „Auch der Bischof hat mir bei unserem Besuch erzählt, dass er Morddrohungen erhalten hat“, bestätigt Middelanis.

Das alles passiert in einer Region an der Amazonas-Mündung, die vier Mal so groß wie Deutschland ist. Amazonien gilt selbst im Vergleich zu den Gebieten, in denen Pater Beda arbeitet, als unterentwickelt. „Die Armut dort ist sehr groß“, sagt Middelanis. „Und von dem bescheidenen Aufschwung in Brasilien, spürt man dort nichts.“ Das einzige, was floriert, ist das organisierte Verbrechen: der Handel mit Menschen und Drogen, die Prostitution und der systematische sexuelle Missbrauch von Kindern. In der Region Belem mit der Hauptstadt Para, einer Millionenstadt, sind die beide n Frauen für die Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“ der katholischen Kirche tätig.

Nur die Kirche hilft

Diese setzt sich für die Menschenrechte, korrekte Wahlen, gegen sexuellen Missbrauch, für die Aufklärung der zumeist sehr naiven und unschuldigen einfachen Bevölkerung ein und fördert die Selbsthilfe.

„Die beiden machen das unter Lebensgefahr, wie alle anderen, die helfen und schützen wollen auch“, sagt Bernhard Middelanis. Unterstützt wird ihre Arbeit auch vom Kindermissionswerk - der Zentrale der Sternsinger. Das brachte Pfarrer Middelanis auf die Idee, die nächste Sternsingeraktion im Januar speziell zugunsten der Arbeit der beiden Frauen und ihres Projektes in Belem durchzuführen. „Dafür werben wir auch ab sofort.“ Doch das Sammeln von Spenden steht nicht im Vordergrund des Besuchs der beiden engagierten Frauen: „Die Welt muss wissen, was die Kirche und Menschen in Brasilien durchmachen müssen“, nennen Schwester Marie Henriqueta und Orlanda Rodigues ihr Hauptmotiv.

Besuch aus Brasilien/WR 10_2011 .pdf

 

Hellweger Anzeiger, 21.10.2011

 

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